Das Leben eines Stationsleiters im Rhein-Main Gebiet
12.02.2007 - Renitent
König Autistiko II. ist für uns manch renitenter Kunde der unter KEINEN aber wirklich gar keinen Umständen das Displays unseres Kartengerätes beachtet. Da wird die Karte in das Lesegerät gesteckt und schwups, ist alles Interessanter als das Display. "Entschuldigung, könnten Sie bitte bestätigen?" "Achja, stimmt, da war was!".
Ich muss mich wohl damit abfinden, diese Sätze tausendfach im Monat zu sagen...
Liebe Kunden, versteht dies als offenen Brief, mit Sicherheit auch im Namen (fast) aller Kassierer, auch der im Supermarkt um die Ecke (Oder, Björn?) Es ist uns WIRKLICH vollkommen egal wenn ihr irgendwelche billigen Pornohefte kauft. Oder Zigaretten. Raucht doch ruhig, interessiert mich nicht. Oder nen Vodka. Interessiert mich genauso wenig. Und nein, ich glaube euch nicht das eine der drei Sachen für euern Freund, Hausmeister, Bekannten oder Arbeitskollegen ist. Ihr müsst mir auch nicht dauernd sagen, dass Ihr nicht wisst was es kostet, weil es angeblich nicht für euch sein soll, denn ich sag es euch ja. Kauft es doch einfach.
Und an alle jungen Männer und jungen Frauen, ich finde es toll das ihr Kondome kauft. Schön dass Ihr an eure Zukunft denkt! Und ja, ich scanne das Päckchen ganz unauffällig und lege es wieder unter die Zeitung. Nein ich frage nicht: "Noch was außer den Kondomen?". Einfach kaufen und gut ist. Ihr braucht nicht Rot werden oder Stottern. Wie gesagt ich finde es gut. Aber aus Scham zu klauen ist Kacke!
Liebe Zeitschriftenverlage, wieso legt ihr immer noch soviele bunte Werbeblättchen in eure Zeitungen und Hefte? Ich stelle mal eine These auf: 10% aller Beilagen bleiben im Zeitschriftenregal liegen, da die Leute nur die obere Ecke des Heftes/der Zeitung anfassen und sie aus dem Regal ziehen und damit die Werbung heraus fällt. Weitere 20% lassen die Werbung gleich von uns entsorgen (ein bisschen Schütteln und alles kommt raus :-). Nochmal 20% verlieren die Werbung beim rausgehen. Wieviele die Werbung wohl noch alleine und ungelesen entsorgen? Ich weiß es nicht. Aber druckt die Werbung doch einfach auf eine eurer schönen weißen Seiten... Vllt sollte ich mal bei einem großen Medienverlag nachfragen ob Sie uns eine Papiertonne kostenlos für die Werbeblättchenentsorgung zur Verfügung stellen.
Nur damit keine Missverständnisse entstehen, natürlich kann es sein, dass andere Mineralölgesellschaften nach anderen Prinzipien vorgehen um die Preise zu bestimmen, dies spiegelt nur MEINE Erfahrungen mit "meiner" Gesellschaft wieder.
Viele fragen immer wieder wie die Preise an der Tankstelle zu standen kommen.
Schauen wir uns daher erst mal an, wie die großen Mineralölfirmen "wohl" rechnen. Als erstes schauen sie nach Rotterdam. Dort wird meist der eurpäische Benzinmarkt "befriedigt". Dort sitzen Händler wie an der Börse die dann Benzin/Diesel kaufen und verkaufen.
Wenn das Öl dann in Deutschland ist und in der Raffinerie veredelt wurde , mag der Staat auch noch seinen Anteil haben und erhebt folgende Steuern und Beiträge:
Wären 65,96 ct pro Liter Ottokraftstoff (Diesel: 47,43 ct). Bleibt bei einem aktuellen Preis von 1,209 €: 0,549 €. Diese knapp 55 ct müssen sich Mineralölfirma, Pächter, Raffinerie, Mineralöllieferant etc teilen. Dem Pächter bleiben mind. 1,5 ct pro Liter.
Somit wissen wir erstmal wie sich die Preise zusamment setzten und wo sie gemacht werden. Nun unterscheiden die großen Firmen pro Tankstelle in welchen Teilmart diese herein fällt. Beispielsweise Marke A1 liegt zusammen mit Marke C1 in einem Dorf. Das Nebendorf liegt 2 Kilometer weiter, dort liegt Tankstelle Marke A2 und Marke A1. Um weitere Berechnungen muss man verstehen, dass die meisten MÖGs (Mineralölgesellschaften) zwischen A, B und C Marken unterscheiden. A-Marken sind Premiumtankstellen, wie Sie auch am meisten in Deutschland existieren wie zB Shell, Agip, Aral, Esso, Total etc. Unter B-Marken verstehen Sie Mögs die Deutschlandweit agieren aber mit einem extremen Preisdruck zB immer einen Cent günstiger sind. Unter C-Marken fallen alle freien Tankstellen die den Kraftstoff zwar einen Cent günstiger anbieten als A-Marken, aber auch weniger Additive im Kraftstoff haben. Zurück zu den Teilmärkten. Tankselle C1 senkt den Preis um drei Cent. Tankstelle A1 merkt dies und meldet die Senkung an ihre MÖG. Die MÖG senkt den Preis für Tankstelle A1 und gleichzeitig für A2 um wieder im Wettbewerb zu stehen. Tankstelle B1 merkt die Preissenkung bei A2 und meldet dies an ihre MÖG, diese wird den Preis damit auch Senken.
So, dass war die einfache Variante, allerding spielen noch soviele Einflüsse eine Rolle, wie zB weitere Teilmärkte, Uhrzeitspezifische Preiserhöhungen (zB immer 18 Uhr weil Tankstelle A1 immer an die MÖG meldet das A2 spätestens um 17 Uhr erhöht). Aber das das nächste mal...
Ich werde es NIE(!!) verstehen, welche Gedankenumschwünge manche Kunden bei Tabakwaren haben.
Kunde: Einmal bitte Filtercigarillos von $Marke für 1,50 €. Ich: Tschuldigung, leider ausverkauft, aber wir haben noch $Marke für 1,50 und $Marke2 für 1,40 €. Kunde: Dann geben Sie mir normale Zigaretten von $Marke für 4 € in Menthol.
Ich hoffe ich muss nicht verstehen wie man von Filtercigarillos auf normale Zigaretten in Menthol umsteigen kann!
Der heutige Kassierer an der Kasse ist nicht nur Kassenpersonal sondern auch Tankwart. Wir kümmern uns um die kleinen Probleme am Auto wie den Reifenluftdruck, das Öl, Kühlwasser und die Scheibenwaschanlage sowie noch den ganzen Rest. Wir prüfen gerne den Ölstand, beraten die Kunden für das richtige Öl (trotz der Gefahr, gerade bei neueren Autos, wie zB WIV - Wartungsinterwallverlängerung - das falsche Öl in den Händen zu haben), prüfen den Frostschutz und klären welchen Reifendruck zu empfehlen ist. Nun kommt aber das Problem, manche Kunden haben keine Einsicht, dass unsere Aushilfen, wenn sie Abends alleine sind, nicht 15 Minuten einen komplett Check für das Auto machen können. Irgendwo hat unser Service, gerade am Wochenende und in den Feierabendstunden wenn entsprechende Kassierer alleine sind, seine Grenzen. Leider!
Wir bitten unsere Kunden dann, unter der Woche nochmal vor 18 Uhr vorbei zu kommen, so das wir das Auto dann unendgeltlich unter die Lupe nehmen können. Viele haben dafür kein Verständnis und wollen JETZT Hilfe.
Das wirft allerdings die Frage auf, wieso man sich erst dann um das Auto kümmert wenn es seltsame Geräusche macht oder ein rotes Lichtchen brennt.
Schwierig wird es, wenn Birnen im Auto defekt sind, denn bei vielen Mittelklassewagen neueres Baujahr, kann ein Wechsel der Scheinwerferbirnen zum Stundenakt werden. Auch das wollen viele nicht einsehen.
Welcher Autofahrer kennt das nicht, da versucht man glatt zu tanken und schwups rutscht dann doch nich ein kleiner Cent mit auf die Anzeige. Mittlerweile ist es eigentlich bei allen Tankstellen üblich, ein oder zwei Cent dann als Sofort-Nachlass dem Kunden zu schenken. Aus purer freundlichkeit. Bedenkt man das ein Tankstellenpächter gerade mal zwischen 1,5 und 1,9 cent Provision pro Liter Otto- und Dieselkraftstoff bekommt, ist das bei 10 Litern schon recht viel.
Was ich nicht leiden kann und ich mir auch manchmal den Cent dann doch noch geben lasse ist, wenn man für gerade mal 15 € (oder meist weniger) getankt hat (bei einem Preis von 1,189 € pro Liter gerade mal 12,62 Liter also etwas über 0,20 Euro Provision) glatt 15 Euro hingelegt werden und der Kunde schon wieder auf dem Weg zum Auto ist. Es gibt keinen Grund warum wir dem Kunden diesen schenken sollten. Aber wir tuen es einfach, aus Nettigkeit. Wenigstens sollte man so tuen als Suche man wirklich den Cent.
Noch schöner wird es, wenn Kunden für etwas über 10 € einkaufen und ganz schockiert sind, für eine Plastiktüte zehn cent bezahlen zu müssen. Nur um mal einen Blick in den Lebensmitteleinzelhandel zu werfen: Ich habe dort noch NIE eine Tüte geschenkt bekommen, selbst bei einem Einkauf von über 100 €. Dort sehe ich seltsamerweise nie jemand meckern. "Natürlich muss man dort für die Tüte bezahlen, aber an der Tanke? Nö, wieso denn?", scheinen manche Kunden zumindest zu denken.
Seltsame Sichtweisen legen manche an den Tag. Böse Tanke!
Also manche Bewerber sollten sich mal einen kleinen Gedanken über Ihre Einstellung zur Arbeit machen. Hier also ein kleiner Ratgeber zur Bewerbung und das erste Probearbeiten an der Kasse:
1. Es mcht keinen guten Eindruck, wenn ausgemacht ist von 8 bis 14 Uhr zu Arbeiten, um Punkt Acht zu erscheinen und um kurz vor 14 Uhr zu gehen mit den Worten: "So es ist dann 14 Uhr ich bin dann weg! Tschüss."
2. Den Kunden an zu lächeln schadet auch nicht.
3. Die Hände beim Kassieren in der Hosentasche zu ahben macht auch keinen feinen Eindruck.
4. Man darf ruhig mehr als zwei oder drei mal Danke sagen.
5. Die zweite Frage beim Bewerbungsgespräch sollte nicht lauten: "Wieviel verdiene ich pro Stunde?"
6. Dem Chef im sitzen beim Arbeiten zuschauen, strahlt auch keine positive Einstellung ab.
7. Eigene Fragen stellen ist durchweg erlaubt und zeigt Interesse. Positiv.
8. Chef/Kollegen während dem Satz ins Wort fallen zeugt nicht gerade von Höflichkeit.
9. Am ersten Tag eine Liste abzugeben, an welchen Tagen man nicht kann, weil man Tags vorher "saufen" gehen will beweist nicht den Arbeitsmut den man im Bewerbungsgespräch noch so groß hervor gehoben hat.
So viel zu einem kleinen Ein-Mal-Eins zum ersten Tag.
Eigentlich müsste die Überschrift für diesen Beitrag "Kaffeeautomat - Teil I" heißen, zumindest befürchte ich das dies ein mehrteiliges Spektakel wird. Aber mal von Anfang an, unser Kaffeeautomat - Gerät mit Münzeinwurf, mit den Sorten Kaffee, Kaffee mit Zucker und/oder Milch, Cappucino und Kakao - spuckte eines Tages kein Wasser mehr zu dem Kakao aus. Okay, selbst ist der Mann, also hab ich das Gerät geöffnet, Schläuche von der Brüheinheit zum Kakao gereinigt und auch sonstige Ventile entkalkt. Verbesserung war gleich Null. Naja gut, also Unterlagen vom Vorpächter heraus gesucht und siehe da: zwei Verträge. Der eine von dem Hersteller des Automaten, ein sogenannter Mietvertrag der technische Reperaturen kostenlos beinhaltet, inklusive Ersatzteile. Der zweite Vertrag war der Leasingvertrag mit der Leasingfirma über 65 Euro. Genau der Betrag der in Vertrag I festgehalten wurde. Okay, Firma mehrfach angerufen, dort meldete sich aber tagelang niemand. Also die Leasingfirma kontaktiert, siehe da, genannte Herstellerfirma ist seit November pleite, bezahlen somit schon drei Monate einen Servicevertrag mit, den wir niemals nutzen können. Lt Leasingfirma sollen wir einfach lange klingeln lassen, manchmal geht der ehemalige Firmeninhaber dann mal dran. Mittlerweile hat sich auch eine ehemalige Angestellte dieser Firma gemeldet, die sich mit Kaffeautmatenzubehör (Kaffeebohnen, Milchpulver etc) selbstständig gemacht hat und sie wollte mir dann Ihren Sohn aufdrehen, der uns den Automat "KOSTENPFLICHTIG" repariert. Auch nach dem 15. Versuch der Dame klar zu machen, dass der Kaffeeautomat sowieso ein Minusgeschäft für uns ist und ich nicht Willens bin: 1. Den Leasingvertrag in voller Höhe zu bezahlen UND 2. nun diese Reparatur in voller Kostenhöher zu tragen, wollte sie immer noch das Ihr Sohn sich den mal anschaut. Wir könnten Ihm ja einfach mal den Tank vollmachen, NUR damit er sich den mal anschaut. Das heißt ich soll mindesten 70 Euro für eine Diagnose bezahlen, für etwas, wofür ich gar kein Geld mehr ausgeben mag. Denn der Automat hat mich mittlerweile schon genug nerven gekostet und vor allem Telefonkosten. Mittlerweile ist die ganze Sache bei unserem Anwalt und wir schauen mal, was er uns rät. Ehrlich gesagt bin ich juristisch in Leasingverträgen nicht sehr gewandt. Mal schauen was dort herauskommt!
Leider kümmert sich die Öffentlichkeit oft in keinsterweise mit den Tankstellenpächtern. Dabei ist vielen nicht bewusst das sehr viele Verschuldet sind und keine Möglichkeit haben aus diesem Sumpf herauszukommen, da einige Mögs (Mineralölgesellschaften) Pächter nur noch durch Boni Geschäftsfähig halten.
Das ganze läuft unter anderem so: Der Pächter kann durch die hohen Abgaben an Benzin, Öl und Pacht kaum noch Geld einnehmen. Nun entsteht beispielsweise am Jahresende ein Minus von 6500 €. Nun haben sich die Mögs folgendes einfallen lassen, ist der Pächter schweigsam und fügt sich allen Aktionen gibt es Bonusauszahlungen. Nun kann man das natürlich nicht so offensichtlich machen, also gehen sie hin und sagen folgendes: Im Quartal 01/99 verkauft ihr 50% mehr Super. Schafft ein Pächter das nicht, ist aber die ganze Zeit lieb gewesen gibt es den Boni von sagen wir 2500 € trotzdem. Argumentiert wird damit, dass man sich doch angestrengt hätte, das Wetter nicht so gut war etc. Das machen die Mögs dann drei, vier oder öfters im Jahr und dann geht den Pächtern das Rechenspiel mit dem Gewinn null auf null auf.
Willkommen zum Tankstellen Blog, ich bin Stationsleiter einer Markentankstelle im Eigentümerbesitz und versorge euch ab sofort mit der ein oder anderen Neuigkeit von der Tankstelle.